Inkassofirmen werden von Verbraucherschützern offen kritisiert
Inkassofirmen benutzen häufig unseriöse Methoden, um Forderungen einzutreiben. Dies teilte die Verbraucherzentrale jetzt nach einer Auswertung von Kundenbeschwerden mit. Kritisiert wurden vor allem das oftmals massive Auftreten der Geldeintreiber und die Berechnung von überhöhten Gebühren.
In über 80 Prozent der untersuchten Fälle waren Forderungen unberechtigt
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat 3600 Fälle untersucht, in denen sich Verbraucher über die Geschäftspraktiken von Inkassounternehmen beschwert hatten. Das jetzt veröffentlichte Ergebnis ist erschreckend: In 84 Prozent der ausgewerteten Beschwerden waren die erhobenen Forderungen tatsächlich unberechtigt, bei weiteren 15 Prozent war die Forderung unklar. Häufig ist bereits die eigentliche Forderung unberechtigt, wenn sie aus unrechtmäßigen Vertragsabschlüssen bei Werbeanrufen, Gewinnspielen oder dubiosen Internetabonnements stammt. Gern drohen Geldeintreiber in diesen Fällen mit negativen Schufa-Einträgen oder Hausbesuchen. Derart eingeschüchtert zahlen viele Verbraucher auch unberechtigte Forderungen. Diese Praxis lohnt sich für Inkassounternehmen, denn sie berechnen Fantasiegebühren für ihre Tätigkeit, die den Wert der eigentlichen Forderung oftmals um das Zehnfache übersteigen.
Bessere Kontrollen und Eingreifen durch die Politik sind notwendig
Die untersuchten 3600 Beschwerden sind nach Einschätzung der Verbraucherzentrale nur ein Bruchteil der tatsächlichen Fälle. Um die Verbraucher vor unseriösem Geschäftsgebaren durch Inkassounternehmen besser zu schützen, fordert der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands daher Interventionen durch die Politik, zum Beispiel durch eine gesetzlich festgelegte Höchstgrenze für Inkassogebühren. Auch müsse die Kontrolle der Inkassofirmen effizienter geregelt und ausgeführt werden. Diese Forderung ist nicht unberechtigt: Aktuell ist die Kontrolle für dieses Gewerbe bundesweit auf 80 amtliche Einrichtungen verteilt. Laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband wäre es sinnvoller, diese Aufgabe an jeweils eine Aufsichtsbehörde pro Bundesland zu vergeben. Sogar der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen wünscht sich mehr behördliche Kontrolle und wirksamere Sanktionen gegen schwarze Schafe.